Nachtschreck

Der Nachtschreck - ein harmloses Phänomen

Wacht Dein Kind voller Panik auf und schaut es Dich mit weit aufgerissenen Augen an, dann ist das für Dich erst einmal ein Schreck. Versuchst Du es zu beruhigen, erkennt es Dich vielleicht gar nicht. Der Grund dafür ist, dass Dein Kind noch gar nicht richtig wach ist. Der Nachtschreck bei Kindern ist für die Eltern oft ein viel größeres Problem als für das Kind selbst, da Eltern nicht wissen, was sie tun sollen. Der Nachtschreck ist in der Regel ein vorübergehendes Phänomen. Geht Dein Kind erst zur Schule, kann das Problem ganz von selbst wieder verschwinden. Hilfe ist nur dann nötig, wenn dieser Nachtschreck bei Deinem Kind häufig auftritt und noch bis in das Grundschulalter anhält. Mit einem geregelten Tagesablauf und mit Entspannung vor dem Schlafengehen kannst Du dem Nachtschreck entgegenwirken.

Wie Du einen Nachtschreck erkennst

Einen Nachtschreck kannst Du an verschiedenen Merkmalen erkennen. Er beginnt oft mit einem angstvollen Schreien oder Weinen. Häufig sitzt das Kind aufrecht im Bett, die Augen weit aufgerissen und die Pupillen geweitet. Das Herz des Kindes schlägt deutlich schneller als sonst. Zudem wird ein solcher Nachtschreck häufig von einem Schweißausbruch oder Gänsehaut begleitet. Das Kind ist orientierungslos und nicht ansprechbar. Es kann um sich schlagen. Versuchst Du, es zu beruhigen, reagiert es nicht auf Deine Anwesenheit. Meistens ist ein solcher Vorfall schon nach wenigen Minuten vorbei. Er kann jedoch auch bis zu 40 Minuten andauern. Danach schläft das Kind wieder friedlich ein. Das Kind kann sich am nächsten Morgen nicht oder nur sehr vage an diese Situation erinnern.
Das nächtliche Aufschrecken tritt meistens in der ersten Nachthälfte auf. Es kann schon ungefähr eine Stunde nach dem Einschlafen passieren. Nur selten wird es mehrmals in der Nacht beobachtet. Bei vielen Kindern tritt ein Nachtschreck nur einmal auf, während ihn andere Kinder mehrmals durchleben. Solche Attacken können sich in mehreren aufeinander folgenden Nächten, aber auch erst nach einigen Wochen, Monaten oder Jahren wiederholen. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Am häufigsten leiden Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren unter einem Nachtschreck.
Für die Eltern, die einen solchen Nachtschreck zum ersten Mal beobachten, erscheint die Situation bedrohlich. Sie bleibt bei ihnen deutlich länger in Erinnerung als beim Kind.

Die Unterschiede zu einem Albtraum

Während es vorrangig in der ersten Nachthälfte zu einem Nachtschreck kommt, sind Albträume meistens in der Zeit zwischen 02:00 Uhr und 06:00 Uhr morgens zu beobachten. Hat Dein Kind einen Albtraum, wacht es zumeist daraus auf und kann sich an die Ereignisse erinnern. Es ist ansprechbar und wird durch Deine Anwesenheit beruhigt. Es erkennt Dich und ist zufrieden, dass Du ihm Deine Aufmerksamkeit widmest. Nach einem Albtraum ist ein Kind häufig aufgewühlt und nicht selten hat es Angst wieder einzuschlafen, da es einen erneuten Albtraum fürchtet.
Während der Nachtschreck eine Schlafstörung in der Tiefschlafphase ist, ereignen sich Albträume in der Traumphase.

Junge hat einen Nachtschreck

Die Ursachen des Nachtschrecks

Wissenschaftler vermuten, dass die Ursachen für den Nachtschreck bei Kindern in einem noch nicht abgeschlossenen Reifungsprozess des vegetativen Nervensystems liegen. Das kindliche Gehirn hat den Übergang vom Tiefschlaf in den Traumschlaf noch nicht vollständig gelernt. Es bewegt sich bei einem Nachtschreck in einer Grauzone zwischen Schlaf- und Wachzustand. Das ist auch beim Schlafwandeln der Fall, das eine Begleiterscheinung eines Nachtschrecks sein kann. Der kindliche Körper ist bei diesem Zustand wach, während das Bewusstsein noch schläft. Der nächtliche Terror verschwindet bei den meisten Kindern mit zunehmendem Alter von selbst. 
Der Nachtschreck ist eine Übererregung des kindlichen Nervensystems. Du musst Dich also nicht sorgen, dass es sich um eine psychische Erkrankung oder um einen Fehler bei der Erziehung handelt. 
Das nächtliche Aufschrecken kann durch verschiedene Faktoren wie Stress oder Aufregung begünstigt werden. Steht ein besonderes Ereignis wie eine Familienfeier, die Einschulung oder eine Reise bevor, ist das Kind aufgeregt. Das Aufschrecken kann auch auftreten, wenn das Kind in der Nacht zuvor wenig geschlafen hat. In der folgenden Nacht versucht der Körper dieses Schlafdefizit durch vermehrte Tiefschlafphasen auszugleichen, was das nächtliche Aufschrecken wahrscheinlicher macht. Auch das Schlafen in ungewohnter Umgebung oder ein ereignisreicher, aufregender Tag können den nächtlichen Terror hervorrufen.

Probleme in der Familie als Ursache

Da Stress häufig die Ursache für einen Nachtschreck ist, können auch Probleme in der Familie wie dauernder Streit oder eine Trennung der Eltern einen Nachtschreck begünstigen. Kinder bekommen solche Probleme frühzeitig mit und haben oft Schwierigkeiten, damit umzugehen. Verlustängste und die Angst, von einem Elternteil nicht mehr geliebt zu werden, können einen Nachtterror auslösen.

Gesundheitliche Probleme als Ursache

Ein Nachtschreck kann erblich bedingt sein. Wird Dein Kind häufiger davon geplagt, solltest Du nachforschen, ob bereits jemand in Deiner Familie darunter gelitten hat. 
Verschiedene Medikamente können den nächtlichen Terror fördern. Auch verschiedene organische Erkrankungen können hinter diesem Phänomen stecken. Solche Erkrankungen können Epilepsie oder eine Schlaf-Apnoe sein. Bei Kindern kann eine Schlaf-Apnoe durch vergrößerte Rachenmandeln oder Polypen verursacht werden. Das Kind hat Schwierigkeiten beim Atmen und wacht dadurch nur teilweise auf. Diese Krankheitserscheinungen lassen sich gut medizinisch behandeln, dodass der Nachtterror dann ein Ende hat.

Wie Du Dich bei einem Nachtschreck verhalten solltest

Wird Dein Kind von einem Nachtschreck heimgesucht, solltest Du nicht versuchen, es aufzuwecken oder es zu beruhigen. Diese Versuche verlaufen ins Leere. Dieser Nachtterror ist für Dein Kind nicht gefährlich. Du solltest Dein Kind nicht allein lassen, doch solltest Du es nicht festhalten. Es könnte nur noch wilder um sich schlagen. Das geschieht völlig unbewusst. Nur dann, wenn die Gefahr besteht, dass sich Dein Kind verletzen könnte, solltest Du es behutsam festhalten. Du kannst mit leiser, ruhiger Stimme auf Dein Kind einreden. Vor allem solltest Du darauf achten, dass Dein Kind nicht aus dem Bett fallen kann. Schläft Dein Kind wieder ein, ist der Nachtschreck vorbei.

Wie Du einem Nachtschreck vorbeugen kannst

Einem Nachtterror kannst Du nur bedingt vorbeugen. Du kannst jedoch bereits von den ersten Lebenswochen an einen gesunden Schlaf fördern, indem Du auf Regelmäßigkeit achtest. Dein Kind sollte möglichst feste Zeiten haben und immer um die gleiche Zeit zu Bett gebracht werden. Das Schlafzimmer des Kindes sollte immer gut gelüftet werden. Die Temperatur sollte bei 16 bis 18 Grad liegen. Dein Kind sollte Nachtwäsche tragen, die angenehm auf der Haut ist und der Temperatur entspricht. Das Bett solltest Du mit einer festen, luftdurchlässigen Matratze ausstatten. Das Deckbett sollte möglichst leicht und locker sein. 
Gegenstände, an denen sich Dein Kind verletzen könnte, solltest Du aus der Schlafumgebung entfernen. So kannst Du verhindern, dass sich Dein Kind verletzt, wenn es einen Nachtschreck erleiden sollte. 
Du solltest Dein Kind nicht beunruhigen. Es ist nicht nötig, das Kind an das nächtliche Ereignis zu erinnern, denn es könnte Angst vor dem Einschlafen bekommen.
Aufregung und Anstrengung vor dem Einschlafen solltest Du vermeiden. Ein spannender, aufregender Film im Fernsehen, ausgelassenes Toben vor dem Schlafengehen oder gar noch eine üppige Mahlzeit kurz vor dem Zubettgehen können den nächtlichen Terror begünstigen. Du solltest den Tag für Deinen kleinen Abenteurer ruhig ausklingen lassen. Ein Spaziergang vor dem Zubettgehen, eine Tasse Kakao oder ein warmes Bad können entspannend wirken und zu einem ruhigen Schlaf beitragen.

Auf die richtige Ernährung achten

Mitunter kann ein Inhaltsstoff in Speisen oder Getränken den Nachtschreck auslösen. Dein Kind muss nicht unter einer Allergie oder Unverträglichkeit leiden. Ätherische Öle und andere Inhaltsstoffe können einen nächtlichen Terror begünstigen. Tritt dieser Nachtterror häufiger auf, solltest Du analysieren, welche Speisen und Getränke Dein Kind am Abend zu sich nimmt. Bemerkst Du, dass das nächtliche Aufschrecken bei verschiedenen Nahrungsmitteln verstärkt auftritt, solltest Du diese Nahrungsmittel weglassen.

Auslöser für einen Nachtschreck kann Streit sein

Stress und Probleme vermeiden

Kinder können bei Stress und Problemen sehr sensibel reagieren, was sich auch auf den Schlaf auswirken kann. Überforderung und Streit zwischen den Eltern, eine ungünstige Atmosphäre in der Familie und ständige Hektik können den Nachtschreck begünstigen. Du solltest Dir genügend Zeit für Dein Kind nehmen und ihm vermitteln, dass Du es liebst und dass Du bei allen seinen Sorgen und Problemen für Dein Kind da bist. Bemerkt Dein Kind, dass es Probleme gibt, solltest Du ihm erklären, dass diese Probleme nichts mit Deinem Kind zu tun haben. Mit einem guten Familienklima und einer entspannten Atmosphäre sorgst Du dafür, dass Dein Kind ruhiger schläft. 

Wann Du einen Arzt konsultieren solltest

Tritt der Nachtschreck mehr als einmal in der Woche auf oder wird Dein Kind auch noch davon geplagt, wenn es bereits zur Schule geht, solltest Du einen Arzt konsultieren. Eine gute Vorbereitung auf den Arztbesuch kann ein Schlaftagebuch sein. Du solltest notieren, wie oft es zum Nachtterror kommt, zu welcher Zeit er auftritt und wie sich Dein Kind in dieser Situation verhält. Im Schlaftagebuch solltest Du auch vermerken, ob Dein Kind einen Schweißausbruch oder einen erhöhten Puls hat. Damit der Arzt die Ursache herausfinden kann, solltest Du möglichst auch erfassen, ob es tagsüber herausragende Ereignisse gab, womit sich Dein Kind beschäftigt hat und was es gegessen oder getrunken hat. Das ist zwar ziemlich komplex, doch es kann helfen.

Wie ein Nachtschreck behandelt werden kann

Hat der Arzt festgestellt, dass Dein Kind unter einem Nachtschreck leidet, wird er eine Untersuchung in einem Schlaflabor veranlassen. Da Dein Kind in ungewohnter Umgebung schläft, ist es wahrscheinlich, dass dieses Phänomen auftritt. Der Arzt kann auch ein Elektroenzephalogramm (EEG) vornehmen, bei dem die Hirnströme des Kindes aufgezeichnet werden. Er wird Dein Kind auch auf Epilepsie und verschiedene organische Ursachen untersuchen.
Es gilt, die Ursache zu behandeln. Organische Ursachen lassen sich mit einer kleinen Operation oder mit Medikamenten behandeln. Häufig wird der Arzt eine Psychotherapie veranlassen, bei der das Kind verschiedene Verhaltensmuster lernen kann. Entspannung kann das Kind mit dem Autogenen Training lernen. Das ist bereits im Alter von sechs Jahren möglich.
Da sich das Kind an die nächtlichen Ereignisse bei einem Nachtschreck nicht erinnern kann, ist es wichtig, dass auch Du in die Therapie einbezogen wirst. Du kannst dem Arzt Hinweise auf den Nachtterror geben und kannst feststellen, ob sich die Situation für Dein Kind gebessert hat.

Hilfe für Eltern

Der Nachtschreck ist in den meisten Fällen nur ein harmloses Phänomen. Viele Eltern reagieren jedoch besorgt und verzweifelt darauf oder sind selbst am nächsten Morgen aufgewühlt und unausgeschlafen. Belastet Dich der Nachtschreck Deines Kindes stark, kannst Du es mit Autogenem Training versuchen oder Dich an einen Psychotherapeuten wenden.